Warum ich niemals Entwicklungsergebnisse lösche

„Wann ist der richtige Zeitpunkt, Entwicklungsergebnisse zu löschen?“ – Diese Frage begegnet mir regelmäßig. Sei es, weil Ergebnisse veraltet sind, in eine Sackgasse geführt haben oder nie über den Status eines „netten Produktwunsches“ hinausgekommen sind. Als Berater mit langjähriger Erfahrung in der Auditierung habe ich dazu eine klare Haltung – und die möchte ich heute teilen.
Warum diese Frage relevant ist
Diese Fragestellung betrifft nicht nur Auditoren, sondern insbesondere Entwicklungsleiter, Projektleiter und Qualitätsbeauftragte. Sie alle stehen vor der Herausforderung, mit nicht mehr benötigten Ergebnissen umzugehen – und dabei auch die Anforderungen von Audits im Blick zu behalten.
Das Szenario: Aufräumen oder bewahren?
Stellen wir uns vor, ein Projektteam entscheidet sich, alte Entwicklungsergebnisse zu löschen. Der Gedanke dahinter: Ordnung schaffen, potenzielle Stolpersteine für Auditoren beseitigen. Klingt sinnvoll – oder?
Aus Sicht eines erfahrenen Auditors wirkt ein zu „aufgeräumtes“ Projekt oft verdächtig. In über 30 Jahren habe ich kein einziges Projekt erlebt, das während seiner gesamten Laufzeit vollständig strukturiert und fehlerfrei dokumentiert war. Und das ist auch gut so.
Denn: Entwicklung ist ein Prozess des Lernens, des Ausprobierens, des Scheiterns. Gelöschte Ergebnisse sind verlorene Erkenntnisse. Sie sind Teil der Geschichte eines Produkts – und oft wertvoller als die finalen Lösungen.
Warum bewahren besser ist als löschen
Entwicklungsergebnisse, die nicht ins Produkt geschafft haben,
erzählen Geschichten:
- Warum wurde eine Architektur verworfen?
- Welche Features waren technisch nicht umsetzbar?
- Welche Materialien waren zu teuer?
Diese Informationen sind Gold wert – besonders, wenn ein Nachfolgeprodukt entwickelt werden soll. Sie helfen, Fehler nicht zu wiederholen und Entscheidungen besser zu verstehen.
Fazit: Dokumentieren statt löschen
Wir lernen aus Fehlern – unseren eigenen und denen anderer. Deshalb sollten Irrwege und gescheiterte Ansätze nicht gelöscht, sondern dokumentiert werden. Im besten Fall fließen sie in ein „Lessons Learned“-Projekt ein und stehen zukünftigen Teams zur Verfügung.
👉 Mein Appell: Hört auf, Entwicklungsergebnisse zu löschen. Fangt an,
sie als wertvolle Erfahrungsdokumentation zu begreifen.

Matthias Kienle ist selbst kein Auditor hat jedoch zahlreiche Schulung
mit genau diesem Fokus besucht. Matthias ist Berater und blickt zurück
auf über 20 Jahren Expertise in Methoden, Prozessen und Werkzeugen.
Er wirkte bei zahlreichen Projekte für Startup-, kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie großen Konzernen mit.
Seit November 2023 leitet er eine Beratungsfirma mit 6 Mitarbeitern.
Seine Kenntnisse konnte er in stark regulierte Branchen wie Automotive, Luft- und Raumfahrt, Pharma und Medizintechnik gewinnen. Ein Teil seiner Kunden kommt zwar aus weniger regulierten Bereich wie Agrar, aber der Großteil seiner Kunden kommt genau aus den oben genannten Bereichen.
Er ist versiert in Methoden, Normen und Standards und strebt innovative Lösungen an, die traditionelle Ansätze herausfordern, ohne grundlegende Regeln zu verletzen.
.jpg)





